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Aus dem Grab herausgeholt

Aus dem Grab herausgeholt

Jeden Sonntag ist das Team des „Zentrum für Heilung“ in Weißrussland ab 6 Uhr morgens unterwegs, um Suchtkranke an der Methadonausgabestelle zutreffen, die hier ihre Tagesration abholen. Etwa 50 Süchtige sind zurzeit in dem seit 2010 hier eingeführten Programm eingeschrieben. Die sogenannte Substitutionstherapie soll den physischen Normalzustand bei Süchtigen wiederherstellen und ihnen ermöglichen, einer Arbeit nachzugehen. Leider entspricht die Bilanz in Svetlagorsk nicht den Erwartungen.

Für viele Abhängige ist die Substitution zur Endstation geworden, weil sie neben Methadon weiter andere Drogen konsumieren. Offene, eiternde Beine, ein zerstörtes Immunsystem, Ausbruch von Krebs sind unter diesen Kandidaten „normal“ und die meisten wissen, dass ihnen nicht mehr viel Zeit bleibt.Vladimir, Anfang vierzig, war einer von ihnen. Nach über 20 Jahren Sucht wog er nur noch 40 kg,als die Mitarbeiter des Reha-Zentrums ihn kennenlernten. Er sagt,dass sie ihn quasi aus dem Grab herausgeholt hätten.Auf dem Weg aus der Methadonabhängigkeit ist eine der größten Hürden der körperliche Entzug, der ähnliche Symptome hat wie die Entgiftung von Heroin.Typische Entzugserscheinungen sind Schüttelfrost, starke Muskelschmerzen,Übelkeit und Erbrechen,Magenkrämpfe, Durchfall,Schwitzen, laufende Nase, tränende Augen, extreme Unruhe und Schlaflosigkeit, Angst, Depression,und ein unerträgliches Verlangen nach der nächsten Dosis. Die Angst vor diesen Begleiterscheinungen erschien Vladimir unüberwindlich.Doch er schaffte es. Nach erfolgreicher Entgiftung wurde er in das Rehabilitationsprogramm der TOS Dienste International e.V. in Weißrussland aufgenommen.„Ich war eigentlich schon tot, aber jetzt glaube ich, dass in meinem Leben noch viel auf mich wartet“,ist seine feste Überzeugung.