News-Detail

Reha zieht weite Kreise

Reha zieht weite Kreise

Drogenabhängige aus 6 Ländern und 19 Städten kommen zur Therapie ins Zentrum für Heilung und Rehabilitation in Weißrussland.

Sawodoukowsk, Russland, August 2017. Bei ihrem ersten Familienbesuch seit Jahren sitzt Julia mit ihrer Schwester auf einer Parkbank. In Sichtweite betrinkt sich lautstark eine Gruppe von Erwachsenen.„Genau dort würde ich heute auch sitzen und mich voll laufenlassen“, sagt sie, als sie beim näheren Hinsehen feststellt, dass es ehemalige Bekannte sind, die mit ihr aufgewachsen sind. Einer von ihnen hatte seine Frau umgebracht und war lange Jahre im Gefängnis gewesen,andere hatten als Alleinerziehende das Sorgerecht für ihre Kinder entzogen bekommen; jeder hatte schwerwiegende Probleme, oft mit Drogen. Der Anblick dieser Gruppe erinnert Julia an ihre Vergangenheit. Als kleines Mädchen lebte sie mal bei der Großmutter in Sawodoukowsk,mal bei der Mutter in Jekatarinburg; lange war sie durch den Stiefvater missbraucht und zum Schweigen verpflichtet worden und dadurch ein zutiefst unglücklicher Mensch geworden. Inder Folge wurde sie verhaltensauffällig und straffällig und griff zu Drogen.Ihr Weg von Sawodoukowsk nach Svetlagorsk in Weißrussland ist die Geschichte eines kaputten Lebens,das ein Happy End fand. 13 Jahrelang spritzte sie Heroin und andere Drogen, wie Salz. Gerade als sie dachte, sie würde durchdrehen,traf sie an einer Bushaltestelle in Tyumen eine frühere Freundin, die mit einem Kinderwagen unterwegs war und merkwürdig gesund und glücklich wirkte. Diese Frau war einige Jahre zuvor ein körperliches Wrack gewesen, aber dann hatten sie sich aus den Augen verloren. Julia erfuhr nach und nach, welche großen Veränderungen bei Galja passiert waren und lernte das Team der TOS Dienste International e.V. in Tyumen kennen.Sie konnte zuerst kaum fassen, dass es für sie selbst, wie für Galja auch, einen Ausweg aus den Drogen gab. Einige Monate dauerte es, bis sie sich an diesen Gedanken gewöhnte und zunächst 2 Monate bei dem Team in Tyumen wohnen konnte.Ein Besuch im Zentrum für Heilung und Rehabilitation in Weißrussland anlässlich einer Hochzeit gab den Ausschlag für das „Ja“ zu einer Therapie. Dort erlebte Julia Heilung und sagt selbst: „Im Reha-Zentrum wird den Leuten so viel Liebe gegeben,sonst hätte ich keine Chance gehabt.“ Das ist inzwischen einige Jahre her, aber Julia blieb in Svetlagorsk,weil sie als Mitarbeiterin der ambulanten Arbeit neben ihrem Job denen helfen wollte, die wie sie früher als Drogenabhängige keine Chance haben.Drogenabhängige aus 12 Städten in Weißrussland, aus 5 Städten in Russland, aus 2 Städten in der Ukraine, sowie Einzelne aus Deutschland, der Slowakei und Polen haben die Chance ergriffen.Sie sahen an den freigewordenen ehemaligen Abhängigen, dass es möglich ist, ganz aus dem Kreislauf der Sucht auszubrechen und geheilt zu werden. Sie erlebten es in ihrem eigenen Leben.